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Das Mittelmeer, Rom, Gardasee, Sizilien, Elba, Venedig und vielleicht noch Neapel, das kennt man? Doch am Stiefel gibt es noch mehr zu entdecken, gerade auch für Segler. Cilento ist das Zauberwort. Segler oder eher Chartersegler verschlägt es nur selten hierher in den Süden Italiens. Amalfi, das ist den meisten noch ein Begriff. Der Küste eilt stets ihr Ruf voraus, ein bisschen nobel, ein bisschen schicki micki. Doch was dadrunter liegt, wissen die wenigsten.

Der Cilento – rund 70 Meilen Küste, etwa sieben Häfen, circa alle sechs Seemeilen einer, und dahinter ein beeindruckendes Hinterland, das wirklich zu schade ist, um es links liegen zu lassen. Ein Ausflug in den beeindruckenden Nationalpark, aufgenommen in die Liste der UNESCO-Welterbe, sollte unbedingt Bestandteil der Törnplanung sein. 
Üppige Vegetation, grüner Wuchs, damit bringt sicher niemand ausgerechnet den italienischen Süden in Verbindung. Doch selbst noch im Hochsommer zieht sich die erfrischende Farbe die Hügel und Berge hinauf. Drei- und manchmal sogar vierreihig säumen sie die Küste. Einer folgt auf den nächsten. Und so wird ein Törn entlang der Küste des Cilento zum wahren Naturerlebnis. Der Ausblick macht‘s. Kurs Süd empfiehlt sich so auch unbedingt die Steuerbordseite als Sitzposition. Dann wird die Charteryacht zum ‘Zimmer mit Aussicht‘.
 
Aber nicht allein die Bergsicht ist berauschend auch das Revier. „Seit ein paar Tagen haben wir Scipione Africano“, schwitzt Paula bei der Bootsübergabe in Salerno. Warm ist es wirklich, wenn der Scirocco bläst und so werden nicht nur die Yachten während der Einweisung nass abgespritzt. Manch ein Segler springt schnell noch einmal unter den Wasserstrahl. Die Stimmung ist ausgelassen, trotz des warmen Windes, der von Afrika hinüber bläst. Uns tröstet, dass dieser schließlich auch noch den Norden schwitzen lässt. „Normal ist das hier nicht“, schimpft auch schon der hitzebeständige Vercharterer und Mitorganisator des Cilento-Cups Evaristo, während er uns schnell noch einen Einkaufstipp gibt und kurz den Wochenplan erklärt. Schließlich ist alles organisiert, zumindest fast, was in Italien ja bekanntlich gleichbedeutend mit alles ist.
 
Segeln wollen alle, doch nicht nur so herum sondern teilnehmen am Cilento-Cup, einer touristischen Fun-Regatta, die nicht unbedingt dem Wettsegeln dient, sondern vielmehr die Schönheiten des Segelreviers aufzeigen soll. Ein bisschen Taktik, Startgehabe und Raumkampf gibt es natürlich trotzdem. Das geht auch schon im Hafen los. Dieter, an Bord für den Wind zuständig, gibt so auch gleich von Anfang an die Marschrichtung vor und erklärt den Bayern in zünftigen wasserfesten Lederhosen schnell noch den Kurs. „Segelt einfach hinter uns her, dann verfahrt ihr euch nicht“, wird ihnen zugerufen. Dass ausgerechnet sie nachher schneller waren, gehört nicht mehr hierher.
 
Doch die Geschwindigkeit steht beim Cup nicht wirklich im Vordergrund- zumindest bei den meisten nicht. Die Schwaben, Nordrheinwestfalen, Bayern und Hamburger, die Italiener und die Holländer wollen viel mehr, Spaß, Gute Laune und gutes Essen. Und das gibt es in Kampanien. 
So wird auch eher über die bäuerliche Küche des Cilento gefachsimpelt als ernsthaft Taktiktipps ausgetauscht.  Mozzarella di Bufala zum Beispiel – das absolute kulinarische Highlight der Region, frisch, weich, cremig, intensiv. Dazu viel frisches Gemüse, hochklassiges Olivenöl – rustikale und in ihrer Einfachheit raffinierte Landhausküche, das ist der Cilento. Dass von hier auch die Mittelmeerdiät stammt, erzählte Paula von Starsail gestern noch während einer Tagestour ins Land. Auch etwas, was man hier unten unbedingt einplanen sollte. Zu reich ist die Region. Hier gibt es nicht nur Landschaft im Überfluss sondern auch jede Menge Kultur.
 
Pompeji liegt ganz in der Nähe. Paestum bietet hell leuchtende Tempel auf grünem Grund vor blauem Meer. Dorische Säulen, alte Bäder, römische Straßen, griechische Wege, alte Gräber. 
Cilento – eine Region der Vielfalt und der Abwechslung, eine Region der Ursprünglichkeit, der Fischerdörfer und Badebuchten. 
Zum Start heißt es dann auch „draußen tut sich was, Wind kommt auf. Mal sehen, wie lange wir Regatta segeln können, abends gibt’s ja wieder einen Empfang“. Evaristo setzt Prioritäten. Und dafür, dass der Wind nicht früher wollte, kann er ja schließlich nichts.
Auch das ist Teil des Cilento Cups – das Erkunden der Region. Kennenlernen soll man sie, ihre Besonderheiten entdecken und sich – wie könnte es auch anders sein - an all dem Kulinarischen laben.  Und so wird aufgefahren in den Häfen. Nicht üppig, nicht maßlos, sondern manchmal etwas verhalten und dezent und manchmal auch schon etwas größer. Da lernt man Sachen kennen, auf die man im Restaurant bestimmt nicht stoßen würde. Limone zum Beispiel. Während die Capitaneria di Porto in Palinuro als Empfangskomitee fürs Foto posiert, überrascht die Frucht, mit Ruccola kombiniert als Sorbet serviert, grün, fremd und ungemein schmackhaft. Da bleibt es nicht bei einem. Und dann Dorade nero, ob sie schwarz gefischt wurde bleibt noch zu klären. Gefischt haben wir auch, zwar nicht professionell doch mit Haken und Schnur: Anfüttern – Schnur rein – Fisch raus – so einfach kann es gehen.
 
Ansprachen gibt’s natürlich auch, in jedem Hafen gehalten, kurz und schmerzlos. Man sich noch auf und über die segelnden Gäste, nimmt sie nicht aus, wie sonst gern mal im Mittelmeer, sondern sieht sie als gern gesehene Besucher. Ausgebeutet wie sonst oft im westlichen Mittelmeer, in Frankreich, Spanien oder Norditalien wird man hier nicht. Auf den entsprechenden Service in hochgezüchteten Marinas muss man dann allerdings auch verzichten. Und so wird nur selten an Land geduscht sondern lieber ausgiebig im Meer gebadet. 
Wer hierher kommt, merkt, dass die Bewohner des Cilentos stolz auf ihre Region sind, sie bekannt machen und mit Freunden teilen möchten. Während viele aus dem Süden gen Norden abgezogen sind, sind diese geblieben. Und so wird man herzlich empfangen im Hafen oder Restaurant, am bescheidenen Marktstand genauso wie in der pescheria. Die Orte werden aufgehübscht, viel Altes renoviert. Zu Streitigkeiten kam es, wenn die bekannten Organisationen eingegriffen haben, Macht über die Menschen gewinnen wollten. Man dankt den Widersetzern, manchmal lässt sich ein Portrait des Standhaften mit Dankesgrüßen in den Gassen finden. Dank an die, die geholfen haben das Dorf lebenswert und vorzeigbar zu machen, ohne die ‚Unterstützung‘ gewisser Kräfte.
 
Agropoli ist so ein Ort. Aufgehübscht, nicht pompös, nicht touristisch, man sieht einfach nur, dass etwas getan wurde. Mit Liebe für den Ort. Vom Liegeplatz aus ist der Blick aufs Städtchen besonders gelungen, doch auch die zweite Reihe ist durchaus lohnenswert. Im Hafen selbst gibt’s sanitäre Anlagen, nicht gerade Ostsee-Niveau, eher wie Italien vor zwanzig Jahre. Es hat etwas von back to the roots, aber vielleicht macht gerade das die Region so reizvoll. Hier ist Italien eben noch Italien. 
Und genau das ist es, was in den Süden lockt und auch die Segler zum Bleiben veranlasst. „Es gab mal eine Crew, die von Accaroli aus rüber zu den Äolischen Inseln wollte. Nach ihrem ersten Schlag die Küste entlang sind sie geblieben. Später haben sie überall erzählt, dass sie hier im Cilento das billigste Bier getrunken haben und deshalb nicht zu den Inseln gesegelt sind“, erzählt Evaristo. Doch allein am Bier lag es bestimmt nicht.
 
Es müssen die Landschaft, die Stille, die Freundlichkeit, das saubere Meer, die gute Küche gewesen sein. Die Höhlen und Grotten, mal leuchtend blau, mal dunkel und unergründlich, die Buchten, die Felsformationen, an denen man sich nicht satt sehen kann, steinerne Fenster in schwindelnden Höhen und Buchten, in den es noch immer Fische gibt. 
Der Cilento, ein Teil Italiens, von dem sich einst schon die Herren Goethe und Seume auf ihren Spaziergängen begeistern ließen und der heute die Segler mit seiner Ursprünglichkeit und Schönheit an seine bergige Küste lockt.
 
Service Cilento / Italien
Den Cilento Cup gibt es seit zwei Jahren und wird von der italienischen Charterfirma Starsail organisiert. Buchbar sind der Cup sowie Bareboat-Yachten unter anderem über die Charteragentur Master Yachting, Yachtcharter 1a, 97286 Sommerhausen, www.master-yachting.de. Beim Cup steht nicht die Regatta im Vordergrund sondern die Region. Hafengebühren, kleine Büffets in den Häfen, Weinprobe etc. sind im Charterpreis inbegriffen. 
Start- und Zielhafen ist Salerno. Der nächste Cup findet in der letzten Juni-Woche kommenden Jahres statt.
Anreise: Flüge sind von deutschen Flughäfen aus nach Neapel buchbar, der Transfer anschließende Transfer kann von der Charteragentur organisiert werden. Wer mehr Zeit mitbringt und noch etwas vom Land sehen möchte, nimmt einen Mietwagen. Air Dolomiti fliegt außerdem samstags direkt von Müchen aus den neuen Flughafen von Salerno an (Aeroporto di Salerno – Costa d’Amalfi; QSR).
Der Tipp zum Büffel: In der Caseificio und Yogurteria gibt es ihn ganz frisch, den Mozzarella di Bufala. Doch nicht nur der Käse auch Büffel-Joghurt und Eis sind absolut empfehlenswert.
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Text und Fotos: Kirsten Panzer-Gunkel

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